Ver­bands­ar­beit

Aus­wir­kun­gen des Ukrai­ne-Krie­ges auf ener­gie- und roh­stoff­po­li­ti­sche Akti­vi­tä­ten des BDG

Ener­gie- und Roh­stoff­po­li­tik waren immer schon Schwer­punk­te der Ver­bands­ar­beit. Unse­re inten­si­ven Bemü­hun­gen um die Abschaf­fung der EEG-Umla­ge sind hier­für nur ein Beleg neben vie­len ande­ren. Spä­tes­tens seit dem 24. Febru­ar, dem Beginn des Angriffs­krie­ges Russ­lands gegen die Ukrai­ne ist der Schwer­punkt unse­rer Bemü­hun­gen aber noch ein­mal stär­ker auf die­ses Feld konzentriert.

Der Ukrai­ne-Krieg ist tat­säch­lich in viel­fa­cher Hin­sicht eine Zei­ten­wen­de. Kaum jemand hät­te gedacht, dass wir in Euro­pa erneut ein solch bru­ta­les Vor­ge­hen erle­ben müss­ten. Tau­sen­de Men­schen ster­ben, Kriegs­ver­bre­chen wer­den began­gen und Mil­lio­nen sind auf der Flucht. Wenn wir im Fol­gen­den über die dra­ma­ti­schen wirt­schaft­li­chen Fol­gen auch für die Gie­ße­rei-Indus­trie berich­ten, soll­ten wir uns immer vor Augen hal­ten, dass das durch den Krieg aus­ge­lös­te Leid das eigent­li­che The­ma ist.

Der Krieg hat in vie­ler­lei Hin­sicht zu einem radi­ka­len Umden­ken in der Bun­des­re­gie­rung geführt. Die nun­mehr beschlos­se­ne Lie­fe­rung schwe­rer Waf­fen ist der letz­te Aus­druck hier­für. Wenn wir aber den Fokus auf die Gie­ße­rei-Indus­trie und den Ver­band rich­ten, so hat die­ses Umden­ken auch für uns unmit­tel­ba­re Fol­gen. Nach der Bun­des­tags­wahl haben wir uns als Inter­es­sen­ver­tre­ter sehr inten­si­ve Gedan­ken dar­über gemacht, wie die Bun­des­re­gie­rung anzu­spre­chen ist und wie wir die Sicht­wei­se und Not­wen­dig­kei­ten der Gie­ße­rei-Indus­trie in das Regie­rungs­han­deln trans­por­tie­ren kön­nen. Ins­be­son­de­re die Grü­nen, aber auch die jun­ge Genera­ti­on der SPD- und FDP-Abge­ord­ne­ten waren klas­si­schen Mecha­nis­men der Inter­es­sen­ver­tre­tung nicht zuge­tan. Neue Wege müs­sen beschrit­ten werden.

Dann aber kam alles anders. Die Bun­des­re­gie­rung hat ange­sichts der gro­ßen Ver­ant­wor­tung, die sie für unser Land trägt, eine aus­ge­spro­chen prag­ma­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se gewählt. Sie basiert auf Zuhö­ren, Fra­gen stel­len und lösungs­ori­en­tier­tem Han­deln. Wir haben in vie­len Gesprä­chen den Ein­druck gewin­nen kön­nen, dass mit gro­ßer Ernst­haf­tig­keit und Rea­li­täts­be­zug Wirt­schafts­po­li­tik betrie­ben wird. Dabei haben die Minis­te­ri­en sehr schnell erfasst, dass Ver­bän­de zuver­läs­si­ge Gesprächs­part­ner sind, um sich einen Über­blick über die tat­säch­li­che Situa­ti­on in der Wirt­schaft zu ver­schaf­fen. Die­se Tat­sa­che beinhal­tet eine Chan­ce, aber auch eine Ver­ant­wor­tung, die wir und die unse­re Mit­glie­der sehr ernst nehmen.

Wir haben den Ein­druck, dass die wech­sel­sei­ti­ge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ver­band und Mit­glie­dern sich noch ein­mal inten­si­viert hat. Das ver­setzt uns auch in die Lage, die Inter­es­sen der Bran­che wirk­sam zu ver­tre­ten. Ver­bands­ar­beit ist so wich­tig wie sel­ten zuvor, sie wird auf Sei­ten der Behör­den und der Poli­tik auch wert­ge­schätzt. Der inter­ne Auf­wand ist aller­dings außer­ge­wöhn­lich hoch, denn Gesprä­che brau­chen ein­fach viel Vor­be­rei­tung und Zeit. Wir haben ein­deu­ti­ge Prio­ri­tä­ten gesetzt. Es geht um die Daseins­be­rech­ti­gung der Bran­che, die durch kli­ma­po­li­ti­sche Irr­we­ge in der Umset­zung der Dekar­bo­ni­sie­rung infra­ge gestellt wird und es geht um die Exis­tenz unse­rer Bran­che, die durch abrupt gestopp­te Gas­lie­fe­run­gen eben­so gefähr­det wird wie durch die explo­die­ren­den Ener­gie­prei­se. Der Ver­band leis­tet dies alles mit begrenz­ten Res­sour­cen. Das gelingt nur durch kon­se­quen­te Fokus­sie­rung und erlaubt kei­ne per­so­nel­len Einschränkungen.

Der Ver­band braucht die Unter­stüt­zung der Mit­glie­der, um die Her­ku­les­auf­ga­be der Inter­es­sen­ver­tre­tung auch wei­ter­hin effek­tiv ange­hen zu kön­nen. Der BDG hat unzäh­li­ge Brie­fe geschrie­ben und Gesprä­che geführt. Prä­si­dent Küp­per und Haupt­ge­schäfts­füh­rer Schu­ma­cher hat­ten schon am 9.3.2022 die Mög­lich­keit, Staats­se­kre­tär Udo Phil­ipp (BMWK) unse­re Posi­ti­on vor­zu­tra­gen. Wir konn­ten aus­führ­lich dar­le­gen, wel­che kata­stro­pha­len Fol­gen für die Gie­ße­rei-Indus­trie und für die Volks­wirt­schaft ent­ste­hen wür­den, wenn wir kein Gas mehr zur Ver­fü­gung hät­ten. Wir waren erfreut zu sehen, dass es offen­sicht­lich der gesam­ten Lei­tungs­ebe­ne des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums eben­so wie dem Bun­des­kanz­ler­amt sehr deut­lich ist, dass eine Gas­man­gel­la­ge soweit irgend mög­lich ver­mie­den wer­den muss. Der BDG hat sich aller­dings bewusst dafür ent­schie­den, das Pri­mat der Poli­tik zu akzep­tie­ren und for­dern daher nicht, unter allen Umstän­den von einem Gas­em­bar­go abzu­se­hen, son­dern weist – aller­dings mit hoher Inten­si­tät – auf die kata­stro­pha­len Fol­gen einer sol­chen Hand­lung hin.

Ent­spre­chen­de Gesprä­che führ­ten wir – teil­wei­se gemein­sam mit oder über das Bünd­nis Fai­re Ener­gie­wen­de mit allen Frak­tio­nen des Bun­des­ta­ges und dem Bun­des­kanz­ler­amt. Wei­te­re Gesprä­che mit der Lei­tungs­eben des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums ste­hen bevor. Natür­lich sind wir über den BDI eng in des­sen Akti­vi­tä­ten ein­ge­bun­den und auch die Abstim­mung mit WVMe­tal­le funk­tio­niert sehr gut. Ergän­zend haben wir mit eini­gen Bun­des­län­dern (Bay­ern, Baden-Würt­tem­berg, Sach­sen) bereits inten­si­ve Bran­chen­dia­lo­ge auf­ge­nom­men. Wei­te­re wer­den folgen.

Auch konn­ten wir nie zuvor so viel über die Bedeu­tung der Gie­ße­rei-Indus­trie und deren Schwie­rig­kei­ten ins­be­son­de­re im Bereich der Ener­gie­prei­se und ‑ver­füg­bar­keit in den Medi­en ver­neh­men. Vie­le regio­na­le Zei­tun­gen, aber auch bun­des­wei­te Fern­seh­sen­dun­gen haben über Gie­ße­rei­en und ins­be­son­de­re die Ener­gie­preis-Mise­re unse­rer Bran­che berichtet.

Wir flie­gen nicht mehr unter dem Radar, die Bran­che ist sicht­bar gewor­den in der Öffent­lich­keit und in der Poli­tik. Und auch wenn es ange­neh­mer gewe­sen wäre, wenn weni­ger dra­ma­ti­sche Ereig­nis­se zu die­ser Wahr­nehm­bar­keit geführt hät­ten, wird die­ses Momen­tum ver­ste­tigt werden.

Max Schu­ma­cher
Haupt­ge­schäfts­füh­rer
Max Schu­ma­cher
Haupt­ge­schäfts­füh­rer