Roh­stof­fe

Dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung in Gießereien

Nicht nur die Roh­stoff­si­tua­ti­on, son­dern die Beschaf­fungs­si­tua­ti­on ganz all­ge­mein nimmt mitt­ler­wei­le extre­me Aus­ma­ße an. Wur­de zunächst zu Beginn des Jah­res in ande­ren Bran­chen der Man­gel an elek­tro­ni­schen Bau­tei­len (Chip­kri­se) beklagt, haben seit Mona­ten auch die Ein­kaufs­ab­tei­lun­gen der Gie­ße­rei-Indus­trie mit Preis­er­hö­hun­gen und Ver­sor­gungs­eng­päs­sen zu kämpfen.

Die Beschaf­fung von für die Pro­duk­ti­on und den Geschäfts­be­trieb not­wen­di­gen Roh­stof­fen, Mate­ria­li­en und Dienst­leis­tun­gen lief vie­le Jah­re im Gesamt­be­trieb „so neben­her“. Die geschäft­li­chen Prio­ri­tä­ten lagen meist woan­ders. Das hat sich schlag­ar­tig im letz­ten Jahr geän­dert. Die gesam­te Welt­kon­junk­tur geriet durch das Coro­na­vi­rus aus den Fugen. Dazu kamen und kom­men die in ihrer Inten­si­tät unter­schied­li­chen Bemü­hun­gen ein­zel­ner Län­der und Bran­chen auf den Kli­ma­wan­del zu reagieren.

Die Fol­ge war, dass vie­le Lie­fer­ket­ten wegen Mate­ri­al­man­gel oder auf Grund logis­ti­scher Schwie­rig­kei­ten „unter Stress“ gerie­ten. Roh­stof­fe wur­den knapp und damit teu­er und zwar deut­lich. So stie­gen die Prei­se für die wich­ti­gen Ein­satz­ma­te­ria­li­en wie Schrot­te, Roh­ei­sen, Alu­mi­ni­um, Koks, Che­mi­ka­li­en, aber auch Git­ter­bo­xen und Holz­pa­let­ten inner­halb eines Jah­res um bis zu 150 %.

Dadurch konn­ten dem Kun­den zuge­si­cher­te Prei­se nicht mehr gehal­ten wer­den, gestie­ge­ne Vor­fi­nan­zie­rungs­kos­ten belas­te­ten die Bilanz außer­or­dent­lich. Der BDG hat des­halb im August 2021 ein Mit­glie­der­rund­schrei­ben ver­fasst, in dem die Situa­ti­on erklärt wur­de. Die­ses Schrei­ben konn­te als Ein­stieg für Kun­den­ge­sprä­che genutzt werden.

Dar­über hin­aus hat der BDG der nun­mehr bedeu­ten­de­ren Stel­lung der Beschaf­fung in den Unter­neh­men Rech­nung getra­gen und zum Ende des Jah­res 2021 in sei­nem BDG report 03/21 das The­ma „Roh­stof­fe“ aus­führ­lich behan­delt. Neben der Dar­stel­lung der aktu­el­len Situa­ti­on auf ver­schie­de­nen Roh­stoff­märk­ten wer­den dar­in auch aktu­el­le The­men der Kreis­lauf­wirt­schaft auf­ge­nom­men und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Lei­der hat es bis­her kei­ne Ent­span­nung auf den Roh­stoff­märk­ten gege­ben. Ver­schärft wird die­se Situa­ti­on sogar noch durch den völ­lig unsin­ni­gen und men­schen­ver­ach­ten­den Krieg, den Russ­land gegen die Ukrai­ne führt. So wird viel­fach deut­lich, wie sehr wir uns auf ein funk­tio­nie­ren­des Welt­han­dels­sys­tem ver­las­sen und wie wenig wir in Kri­sen­sze­na­ri­en gedacht haben. Mitt­ler­wei­le bre­chen ganz Lie­fer­ket­ten zusam­men und egal, ob direkt oder indi­rekt: jede Gie­ße­rei ist davon betroffen.

Vie­le Prei­se von Roh­stof­fen, die Ende 2021 schon Höchst­stän­de erreicht hat­ten, ver­teu­er­ten sich im ers­ten Quar­tal 2022 wei­ter deut­lich. Ins­be­son­de­re bei Gie­ße­rei­ro­h­ei­sen, aber auch bei Nickel und Alu­mi­ni­um oder Fer­ro-Legie­run­gen sind dar­über hin­aus die Aus­wir­kun­gen des Krie­ges und der Abhän­gig­keit von rus­si­schen Lie­fe­run­gen beson­ders deut­lich zu spüren.

Zum Über­le­ben der Gie­ße­rei­en war und ist es not­wen­dig, dass sich die Kun­den an den Beschaf­fungs­kos­ten und ‑über­le­gun­gen der Gie­ßer betei­li­gen. Es geht in die­ser Situa­ti­on um nicht weni­ger als das Über­le­ben vie­ler Gie­ße­rei­en. Der BDG hat des­halb im März 2022 eine Pres­se­mit­tei­lung sowie ein Mit­glie­der­rund­schei­ben (das auch in eng­li­scher Spra­che zur Ver­fü­gung steht) zu den Aus­wir­kun­gen der Russ­landsank­tio­nen auf die deut­sche Gie­ße­rei-Indus­trie herausgegeben.

Wei­ter­hin set­zen wir auch den Dia­log im Rah­men von Roh­stoff-Kon­junk­tur­ge­sprä­chen mit den Mit­glieds­wer­ken in der gewohn­ten Form fort. Dane­ben füh­ren wir auch in der gewohn­ten Form unse­re Umfra­gen zu den Schrott‑, Roh­ei­sen- und Gie­ße­rei­koks­prei­sen durch, deren Ergeb­nis­se die teil­neh­men­den Gie­ße­rei­en monat­lich erhal­ten. Die Datei „BDG-Preis­ent­wick­lun­gen“ ent­hält, monat­lich aktua­li­siert, eine Viel­zahl von Preis­in­for­ma­tio­nen, die wir aus öffent­lich ver­füg­ba­ren Quel­len zusam­men­stel­len. Ger­ne erläu­tern wir auch Abneh­mern von Guss­pro­duk­ten, der Poli­tik und ande­ren Inter­es­sen­grup­pen die Situa­ti­on auf den Beschaf­fungs­märk­ten unse­rer Bran­che. Die­ser Ser­vice wird in Kri­sen­zei­ten wie die­sen zuneh­mend genutzt.

Mar­tin Rölke
Refe­rent für Roh­stof­fe, Außen­wirt­schaft, Ver­kehr und Logistik
Mar­tin Rölke
Refe­rent für Roh­stof­fe, Außen­wirt­schaft, Ver­kehr und Logistik